Bestimmt eine Zahl unser Lebensgefühl?

Lebensgefühl kennt kein Alter

Meine Blogger-Kollegin Mia Brummer ruft zu einer Blogparade auf! Mit dem Thema, wozu Frauen ab 50 eigentlich noch gut sind. Provozierendes und tolles Thema, finde ich! Ich bin weit über 50 und fühle mich aber nicht wie 50. Aber wer bestimmt denn eigentlich, wie Frauen sich mit 50 fühlen sollten?
Wonach wird ein Alter gemessen, ohne vermessen zu sein?

Was sind die Merkmale einer 50-jährigen Frau? Also dann lege ich mal los!

Beobachtungen eines Mädchens

Schon als junges Mädchen in den 70er Jahren ist mir die Körperhaltungen von Frauen aufgefallen.
Wie sie stehen, gehen und sich verhalten.
In Sizilien, der Heimat meines Vaters, erinnere ich mich an Frauen, die, sobald sie verheiratet waren,
ihre Schönheit vernachlässigten, zunahmen, mit schrillen, hohen Stimmen ihren Nachwuchs
beschimpften und eine hängende Haltung hatten, mit hängenden Schultern und nach vorn fallendem Bauch.
Es wirkte auf mich so, dass, wenn man verheiratet ist, man sich aufgibt.

Wie uns Jugendliche oder Kinder sehen, ist auch einprägend. Das Bild der 50+jährigen hat sich ganz schön verändert und hat nichts mehr mit dem Bild zu tun, was ich damals hatte von älteren Frauen.


Verschiedene Außenbilder von Frauen

Als ich viel später in meinem Leben mal in Rom war, oder in Theaterveranstaltungen in Palermo, sah ich so viele gut
aussehende Frauen, weit jenseits über 50, die einfach nur WOW waren! Wie sie sich kleideten,
ihre Haltung wahrten und das Leben so fein zu kultivieren schienen. Ich mochte ihr Bewusstsein
für Schönheit und Pflege. Sich immer gut zu kleiden ist in den Genen der italienischen Menschen
auf natürliche Weise vorhanden. Das war die andere Seite von Frauenbildern in Italien, die ich hatte.
Frauen dagegen in Deutschland nahm ich immer so wahr, dass sie in zweckmäßige Freizeitkleidung
steckten und sich wenig um ein raffiniertes Äußeres kümmerten und ihr Kleidungsstil einfach pragmatisch war und oft noch ist.

Wer bewertet das Alter?

Für die Frau (und natürlich auch dem Mann) kommt der Moment, wo sie sich von einem straffen Körper
verabschieden muss. Es ist eine Phase in ihrem Leben, wo sie sich nicht mehr gesehen fühlen,
sich schwer damit tut, dass sie zunimmt, ihre Falten mehr werden und Sie sich schlimmstenfalls
dafür zu hassen beginnt.

Sie bewertet sich aus der Perspektive heraus, nicht mehr attraktiv für die Männerwelt zu sein.
Obwohl in unserer heutigen Zeit Beziehungen zu wesentlich jüngeren Männer immer häufiger passieren.
Nicht jede Frau ab 50 ist automatisch alt! Wenn ich hier im Ort einkaufen gehe, sehe ich junge Frauen,
die in ihrer ganzen Haltung und Einstellung ziemlich alt wirken.

Haben wir dann endlich Abschied genommen von all den Äußerlichkeiten und die Jugend überwunden,
beginnt ein richtig spannender Lebenszyklus!

Was für eine Chance! Was für eine neue Freiheit!

Was macht Alter eigentlich aus?
Geistige Bewegung ist genauso wichtig, wie die körperliche Bewegung!
Beides in Kombination hält uns jung. Mit jung fühlen, meine ich, in der Lebensenergie zu sein.
Unser bisher erlebtes Leben ist ein großer Teil, von der wir in unserer neuen Lebensphase profitieren.
In der Regel sind die Kinder aus dem Haus und wir haben viel mehr Zeit für uns. Eine tolle Chance, uns neu zu sortieren und zu orientieren.

Wir können uns neue Frage stellen:

– Was wollen wir gerne noch erleben?
– Was wollen wir gerne neues lernen oder was mehr ausbauen?
– Was ist mir wichtig?
– Welche Routine lade ich in mein tägliches Leben?
– Was sortiere ich definitiv aus in meinem Leben?
– Wohin wende ich mich jeden Tag?
– Mit wem will ich meine wertvolle Zeit verbringen?

Wertvolle Zeit! Das ist mir persönlich ganz stark im Bewusstsein.
Soweit es mir möglich ist, lebe ich danach, jeden Tag einen wertvollen Tag zu erleben und alles zu feiern,
was mir gut gelungen ist und zunehmend mehr darüber zu lachen, was mir nicht gelungen ist.

Die milden und netten Gedanken mir gegenüber werden stärker. Das ist so eine Befreiung! Nicht mehr
zu müssen, zu jagen, zu erobern, zu kämpfen, zu überstehen, zu erreichen, u.s.w.


Das Leben fühlt sich freier an, denn je!

Ich liebe dieses Alter, weil ich nach so vielen Erfahrungen und Verluste und Lebensumständen und Erlebnissen,
jetzt alles viel gelassener sehen kann.

Es wird mir immer unwichtiger, was andere über mich denken könnten.
Zunehmend habe ich mein Vertrauen in mich und meinen “geführten Weg” zurückerobert.

Ich bin voll da. Voll präsent und voll neugierig auf das, was da alles noch kommen möchte.

Ich habe meine Vorstellungen, wie etwas zu sein hat, aufgegeben, um mich von Lebensimpulsen
überraschen zu lassen.

Jedenfalls hab ich mich entschieden, glücklich zu sein.

Das Leben ist einfach nur schön!

Diese Frage, ob man als 50-Jährige noch irgendeinen Wert hat, scheint mir, nachdem ich meine
große Schatzkammer an Wissen, Erfahrungen und Weisheit betrachte, eigentlich ziemlich absurd!
Das Wort „eigentlich“ nur deshalb, weil ich weiß, dass das viele jungen Menschen denken.

Frauen, die bewusst ihre Midlifekrise überwunden haben und sich zu neu kreierten Möglichkeiten
geöffnet haben, sind ein sehr wichtiges Glied in unserer Gesellschaft! Denn sie zeigen mit ihrem Lebensmut,
ihrer Lebensfreude, ihrer Gelassenheit und ihrem Feuer, wie viel kreatives, kluges Gedankengut sie
entzünden können und was sie in Bewegung zu bringen, vermögen.

Das ist wichtig für alle Menschen. Zu sehen, dass man auch im zweiten Lebensteil ein richtig ausgefülltes
Leben genießen kann, welches nicht an Wert verliert durch irgendeine Zahl, die da plötzlich steht.

Leider ist es auch so, dass manche Frauen im Gefühl von Wertlosigkeit hängen bleiben. Sie fühlen sich plötzlich
alleine und nicht mehr gebraucht. Ich ermutige Frauen in meiner Arbeit sich wertzuschätzen und sich selbst die Fürsorge zu geben, die sie ansonsten anderen gegeben haben. Es wird Zeit für sich neu zu erleben und dabei dürfen andere Rollen sein.
Raus aus: Ich mache was, ich tue was…. Also bin ich es wert zu sein.
Und genau das dürfen wir endlich loslassen! Wir sind nicht nur wertvoll, wenn wir einen Arbeitsbeitrag
oder ein Erziehungsbeitrag leisten.
Nein! Wir sind so viel mehr Beitrag in dieser Welt, wenn wir uns
die Zeit für Selbstreflexion nehmen und ein freundlich gesinntes Leben führen, welcher Verbindungen
schafft und aufhört zu bewerten und zu spalten.

Das Beste kommt nicht erst am Schluss!

Wie oft sehe ich junge Frauen, die sich entweder gehen lassen, oder im Macher-Modus gefangen sind,
Freizeitstress haben und dem Optimierungswahn unterworfen sind (was Menschen in jedem Alter auch haben,
wenn sie sich davon anstecken lassen).

Wie gut ich das kenne!
Bis März 2020 sah mein Leben auch so aus. Ich war getrieben und mit meiner Selbstständigkeit
als Theatermacherin und Veranstalterin viel, viel zu sehr überfordert.
Heute erledige ich meine Aufgaben mit wohlbedachter Fürsorge und Bewusstheit. Ich verurteile mich nicht
mehr, wenn was nicht gleich klappt. Ich hafte nicht mehr an meinen Vorstellungen, wie etwas zu sein hat.
Neugierig und abenteuerlustig bleiben!

Und ja! Mit 58 Jahren tanze ich noch, liege auf Matratzen am Boden in der Wüste rum, reite Kamele,
trage roten Lippenstift, bin beim Eisschwimmen dabei
(seither mache ich Eiswasser-Anwendungen), fühle mich attraktiv, habe Spaß im Leben

ICH VERTRAUE mir und dem Leben so viel mehr, dass ich mich auf alles freue, was auf mich zu kommt.
In mir hat sich mein fehlendes Urvertrauen etabliert und ich fühle, dass nichts im Leben passieren kann,
was gegen mich ist. Das Vertrauen, das alles seinen Sinn hat und seine Zeit braucht, hat mir mein bisheriges
Leben gezeigt. Mit über 50 Jahren, kann ich auf einen Weg zurückblicken, der mir zeigt, dass manches anders
kommt als man es unbedingt möchte, und dass es gut ist, so wie es ist.





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